Wenn ich auf die letzten Wochen zurückschaue, so sind sie zum einen wie im Fluge vergangen, es war eigentlich für alles zuwenig Zeit. Irgendwie hätte ich mir mehr Ruhe und mehr Zeit für Umzug und die vielen Vorbereitungen gewünscht. Tausend Sachen, die man für eine lange Reise zu organisieren hat, Dinge an die man denken sollte, weil wichtig oder dann vor Ort unterwegs nicht so einfach zu bekommen oder sogar gar nicht erhältlich sind.
Ich habe mich öfters gewundert, wie komplex doch die Vorbereitung auf eine längere Segelreise ist, speziell, wenn man mit dem Schiff für 3-4 Wochen autark sein will ohne Wasser, Strom und Lebensmittel kaufen zu können / müssen. Also denkt man an Wassertanks, Solaranlage, Kommunikation, Navigation, Segel, Ersatzteile, Werkzeug usw. und natürlich Lesestoff für die ruhigen Stunden.
Dann beruflich geschäftlich alles zu organisieren, sich von Freunden und der Familie verabschieden (leider nicht alle erreicht oder geschafft) und irgendwann sitzt man im Flieger…..
.............Wie kam ich dazu? Nachdem ich vor 10 Jahren meine Segelleidenschaft entdeckt hatte und die ersten Segelschein auf der Ostsee absolviert hatte, kaufte ich mir mein erstes Segelschiff, die „SAFARI“, eine 25ft große Dehler 25 mit Hubkiel und Schlafplätzen für 3-4 Leute. Der Liegeplatz war auf der Schlei in Haddeby und somit nahe des Traumreviers Dänische Südsee.
Die Zeitrechnung begann sich zu ändern und wurde fast aufgeteilt in Segelsaison und andere Zeit. Für mich war es immer wieder ein Phänomen, wie schnell und einfach ich von Alltags- oder Berufsstress abschalten konnte. Kaum 20min. an Bord und schon sah die Welt anders aus!
So entstand irgendwann neben dem Wunsch sich eine „Auszeit“ oder neudeutsch „Sabatical“ nehmen zu wollen auch die Idee, dies vielleicht auf dem eigenen Schiff machen. Schiffs- oder Segelwandern für einige Wochen/Monate, dies möglichst in warmen Gewässern wie Mittelmeer oder Atlantik (das Abenteuer ruft).
Oktober 2008
Doch dafür war die bisherige SAFARI zu klein, also musste bevor irgendwelche Träume sich realisieren konnten, zunächst der bisherige Küstenkreuzer verkauft werden. Als sich nach meinem eher zögerlichen Verkaufsversuch sofort ein Käufer fand, nahm ich dies als Fingerzeig, dass ich meinen Traum verwirklichen sollte. In dieser Zeit des Zögerns und Überlegens bekam ich viel Unterstützung von lieben Freunden.
Anfang 2009
Eine lange Suche nach dem richtigen Schiff begann…. Ein Für und Wieder begann: welche Größe, welche Ausstattung, welches Budget, wie lange ist es möglich - Pro’s und Con’s je nach Segelrevier und Schiffstyp.
Schließlich fand ich bei der Besichtigung eines anderen Schiffes auf Lanzarote, am gleichen Steg mein Schiff: einen Katamaran Prout Snowgoose Elite 37. 

July 2009
übernahm ich das Schiff und legte es bis Ende November in den Hafen der kleinen Insel La Graciosa 1sm nördlich von Lanzarote.
In Anlehnung an meine ehemalige SAFARI wurde der Katamaran (engl. Catamaran) auf „SAFARICAT“ getauft. Der Begriff Safari stammt aus dem afrikanischen Swaheli und bedeutet zum einen Reise aber auch gelebte Lebenszeit auf einer Reisestrecke – also ein Stück des Lebens. Da Reisen ein Teil meines Lebens ist und ich viele Jahre in Afrika gelebt habe, fließen diese Elemente auch in den Schiffsnamen hinein.
Ende November 2009
kam ich mit 100kg Fluggepäck auf La Graciosa an und fand meine SAFARICAT unversehrt und mit geladenen Batterien (Danke Sigi!) vor. Der Hafen von La Graciosa ist unter Langfahrtseglern ein bekanntes Ziel ist er doch der nördlichste Hafen der Kanaren, somit der letzte Stop vor Madeira auf dem Weg nach Norden oder erster Stop auf den Kanaren bei umgekehrter Fahrtroute.
Der gut geschützte Hafen liegt vor der malerischen Kulisse des Hauptortes Caleta del Sebo (300 Einwohner, im Sommer aber plus 2000 Gäste), im Hintergrund dominieren zwei alte Vulkankegel das Panorama. Die Fähren verbinden die Insel fast stündlich mit Orzola, Lanzarote. Ein karger wüstenähnlicher Eindruck macht sich breit und die Nähe Afrikas wird durch Einflüsse marokkanischen Baustils unterstrichen. Stille, Ruhe, Gelassenheit kann man hier gut finden; sich einfach für ein Kaffee in die einfachen Strandrestaurants setzen. Wer will kann die 2-3km zu traumhaften Sandstränden und Buchten wandern – und die Seele baumeln lassen.
Aber bis Weihnachten steht noch viel auf dem Programm der SARAFICAT. Die kommenden 3 Wochen soll das Schiff durchgecheckt werden und die per Luftfracht geschickten 200kg Technik und Ersatzteile ihren Platz finden. Den größten Teil der Ausrüstung habe ich aufgrund der detaillierten Beratung beim SVB Spezialversand für Segelbedarf (www.svb.de)
gekauft.
Am 1. Dezember 2009 kommt für diverse Umbauarbeiten der Bootsbauer und Weltumsegler UDO (www.skipper-udo.de) an Bord, mit dem in den kommenden drei Wochen die Renovierungen durchführt. Da Udo mit einem ähnlichen Katamaran um die Welt gesegelt und zudem Bootsbauer ist, kann ich mir keinen besseren Berater wünschen.
03.12.09
Nach einem Tag Vorbereitung verlassen wir La Graciosa und erreichen nach 6 Stunden guten Segelwetters den an der Ostseite von Lanzarote gelegenen Sportboothafen Puerto Calero.


Hier werden wir die nächsten Tage liegen und die Elektrik, Segel, Nautik, Antifouling usw. „bearbeiten“. Dank perfektem Importhandling von Sancargo (Dank an Ines Karn!), erhielten wir meine Ersatzteilpakete von SVB reibungslos – sicherlich nicht selbstverständlich; aber hier half in der Vorbereitung auch meine Erfahrung als ehemaliger Luftfrachtspediteur.
Selbstverständlich darf abends nach getaner Arbeit ein guter Ausklang mit guten Essen beim Sonnenuntergang am Atlantikstrand in El Golfo nicht fehlen! Es geht voran….

05.12.09
Der Tag beginnt meistens mit einem frühen Spaziergang in der aufgehenden Morgensonne. Entlang geht’s an der rauen Lavaküste bis an das 4km entfernte Puerto del Carmen, auf dem Rückweg noch schnell Brötchen holen bei Supermarkt der gerade geöffnet hat. Im Hafengelände von Puerto Calero findet man verschiedene Restaurants und verschiedene touristische Einrichtungen wie CATLANZA einem großen Ausflugskatamaran oder einem Unterseeboot für Ausflüge entlang der Küste von Lanzarote.
10.12.2009
Unsere Arbeiten gehen voran. Udo findet auch ungewöhnliche Lösungen für Einbauprobleme und wir können jeden Tag auf unserer Aufgabenliste einige Punkte abhaken. Aufgabenliste einige Punkte abhaken. (
Anders mit den Servicefirmen vor Ort und deren Liefertermintreue. So lerne ich auch langsam, was andere Segler mir prophezeit haben, dass Zeitmessung und Verlässlichkeit nicht mehr unseren gewohnten deutschen Maßstäben entspricht. Für die Edelstahl-Konstruktions- und Schweißarbeiten des Gerätehalter für die Solarmodule sowie Badeleiter werden 6 Tage versprochen – mal sehen. Für das Austauschen des UV-Schutzes der Genua benötigt man bereits 4 Tage – leider werden die Preise aber nicht günstiger.
Bei ca. 22Grad tags und 16Grad nachts, blauem Himmel und Sonnenschein kommt (GottseiDank) nur wenig Weihnachtsstimmung auf. Trotzdem haben wir einen Weihnachtsstern an Bord und natürlich sind die Gedanken auch öfters bei den Lieben daheim.
Am 11.12.09
kommt die SAFARICAT für den Unterwasseranstrich aus dem Wasser. Es wird das Unterwasserschiff abgeschliffen und dann komplett 2x mit Spezialfarbe gestrichen. Dieser Schutzanstrich soll den Bewuchs mit Algen und Muscheln verhindern; letztlich wird er aber nur verlangsamt, so dass diese Arbeit alle 1-2 Jahre fällig wird.
13.12.2009
Seit Sonntag ist Michel mit an Bord, der bei seiner Anreise über Gran Canaria beim Weiterflug gerade noch rechtzeitig gemerkt hat, dass wir auf Lanzarote und nicht Fuerteventura liegen. Michel habe ich über Udo kennen gelernt. Er ist professioneller Ballonfahrer und möchte in das Seglerleben hineinschnuppern. Sein Einstieg auf der SAFARICAT beginnt auf der Werft gleich mit Malarbeiten am Unterwasserschiff. 
Am Dienstag 15.12.09 ist die Farbe getrocknet und das Schiff wird wieder seinem Element übergeben. Wir haben bereist eine ½ Badeleiter montiert bekommen, der Rest kommt morgen…
Endlich wieder im Wasser und der Wind streicht wieder um das Schiff. Entgegen des fast immer vorherrschenden Passatwindes aus Nordost mit 3-4 Knoten weht seit Tagen eine eher ungewöhnliche leichte Brise. Mittwoch hat der Wind auf Südwest gedreht und kommt somit genau aus der Richtung Teneriffa – wohin wir segeln wollen. Genau gegenan, kein Spaß mehr; es würden aus den ca. 36 Stunden Überfahrt ungemütliche 4 Tage werden plus starker Beanspruchung für Mensch und Material. Ab 17.12.09 soll auch noch Starkwind kommen, bis Weihnachten keine Änderung zu erwarten – also keine Chance für ein Segeln in Richtung Teneriffa. Abwarten bis der Wind dreht! Aber wir haben auch hier noch genug Arbeit an Bord und werden halt hier vor der Küste etwas segeln.

17.12.09 Weihnachten auf Lanzarote zeichnet sich ab. Gestern hatten wir auch Regenschauer bei 18 Grad, dann aber wieder: Sonne und 23 Grad !
Im nahegelegenen Puerto del Carmen, einer komplett auf den Tourismus orientierten Kleinstadt, gehen wir abends beim Chinesen essen: 6,90€ p.P. all you can eat – unschlagbar!
18.12.09
Michel nimmt heute den Mietwagen und erkundet die Insel auf eigener Faust. Ausgestattet mit Tipps von Udo (der vor 10 Jahren bereits hier 6 Monate verbracht hatte) und mir, startet er morgens um 9Uhr seine Rundtour von Puerto Calero zunächst in Richtung Yaiza, dann rechts ab auf guter Teerstrasse durch den Parque National de Timanfaya (Nationalpark mit eindrucksvollen erloschenen Vulkanen und endlosen erkalteten Lavaströmen.
An Teguise vorbei geht’s Richtung Haria, der Stadt mit den 1000 Palmen. Diese Strasse ist wegen der spektakulären Ausblicke auf die Steilküste (etwa 5km vor Mirador de Haria, links auf kleinen staubigen Feldweg abbiegen) sehr zu empfehlen, danach geht’s in Serpentinen hinunter nach Haria.
Ein Muß ist auch der Aussichtspunkt Mirador del Rio, den der verstorbene kanarische Künstler César Manrique mitgestaltet hat. Seine Einflüsse sind in der Architektur der ganzen Insel zu sehen (Wichtig ist die Fundacion César Manrique, sein in ein Museum umgewandeltes früheres Wohnhaus).
Vom Mirador del Rio hat man ein spektakulären Blick auf die den Steilklippen gegenüberliegende Insel La Graciosa mit dem Hauptort Caleta del Sebo.
Auf dem Rückweg liegen die beiden von César Manrique entdeckten und ausgebauten Lavahöhlen Cuevas de los Verdes und die Jameos del Agua. Ansehen!
Kurz vor der Rückkehr von Michel kommt 40min. vor Sonnenuntergang die für den Vormittag angekündigte Edelstahl-Firma zum Schweißen an Bord. Leider musste man wegen unvorhersehbarer Dunkelheit dann die Arbeiten abbrechen und – man will morgen früh wiederkommen….
20.12.09
Heute abend fliegt Skipper Udo wieder zurück in das verschneite Deutschland. Gestern abend kamen dann doch noch wieder kurz vor Sonnenuntergang unsere V4A-Schweißfirma um einige Teile anzupassen bzw. abzumessen, die man dann am Montag anbauen will.
Unglaublich! Wir hatten eine lange Liste von verschiedensten Arbeiten, die fast alle - Danke Udo! - erledigt werden konnten. Lediglich die Dachkonstruktion ist nicht realisiert worden, da ich mich für eine flexible Lösung in Form eines Bimini’s (für Nicht-Segler: ein aus Stoff bestehendes Sonnendach) entschieden habe.
Heute sind wir endlich mal losgewesen und gesegelt! Eine Unterbrechung der ganzen Umbau- und Renovierungsarbeiten. Nun weiß ich auch wieder weshalb ich mir diese ganzen Nonstop-Arbeiten antue….
Allerdings stellen wir fest, das der Autopilot nicht richtig funktioniert.
23.12.09
Um 07Uhr ist Michel ebenfalls nach Deutschland zurückgeflogen. Die letzten zwei Tage haben wir beide ganz gemütlich den Tag angegangen, gelesen (!) und morgens erstmal in Ruhe gefrühstückt. Dann verschiedene Schönheits- und Aufräumarbeiten, die wir mit Muße erledigten.
Ganz ungewohnt – alleine auf dem Schiff. Am Nachmittag geht’s wieder einmal auf Einkaufstour durch verschiedene Handwerksfirmen und Baumärkte in Arrecife oder Playa Honda. Überall nur eine Kleinigkeit, die an Bord fehlt – aber doch gebraucht wird oder ersetzt werden sollte. Und schon sind wieder 4 Stunden vergangen, dann schnell noch einkaufen – und schon ist´s 21Uhr als ich wieder an Bord bin….
Gegen abend frischt der Wind auf; Windstärke 7 – 8, der Himmel schwarz. Der Dauerregen trommelt mittlerweile. Sicherheitshalber lege ich noch eine weitere Leine aus. Die Marina-Mitarbeiter gehen von Boot zu Boot und sichern nicht ausreichend vertäute Boote mit zusätzlichen Leinen.
Der Wind pfeift und der Südwest-Wind schiebt den Schwell in den Hafen, die SAFARICAT schaukelt mich sanft in den Schlaf.
24.12.09
Anruf von meinem Bruder Uwe: meiner Mutter, die seit einigen Tagen im Krankenhaus liegt, geht es schlechter. Daher werde ich morgen am 25.12.09 für einige Tage nach Hause zu fliegen.
Das stürmische Wetter hat sich beruhigt und ich genieße die Abendstimmung auf dem Vordeck; denke an Freunde und Familie, die Weihnachten in Deutschland feiern. Der Sonnenuntergang gibt auch Ruhe und Kraft; ich genieße Heiligabend bei einem tollen mediterranen Salat, Kerzenschein und einer Flasche Rotwein.
Euch allen Frohe Weihnachtstage und einen guten Rutsch in ein gesundes, fröhliches, spannendes, erfolgreiches und zufriedenes 2010 !
Ich freue mich auf die weiteren Reise mit der SAFARICAT in 2010 !